Face Mask Facts – Interview mit dem Top-Virologen Prof. Dr. Ingo Drexler

English version – see below

Wissenswertes rund um Mund-Nase-Masken

Prof. Dr. med. Prof. Dr. med. Ingo Drexler, stellvertretender Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, antwortete auf die Fragen von MaskRadar:

Prof. Dr. med. Ingo Drexler
Prof. Dr. med. Ingo Drexler

Wer sollte Mund-Nasen-Masken tragen?

Jeder, der Kontakt zu Menschen außerhalb seines Haushalts hat. In der Öffentlichkeit sollte sich jeder wie ein Infizierter verhalten, der andere anstecken kann, und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das bringt mehr Sicherheit für alle und ist eine Geste der Höflichkeit.

Es gibt drei unterschiedliche Maskenarten: Partikelfilter-Masken, OP-Masken und geschneiderte. Welche Maske ist für wen empfehlenswert?

Das kommt auf die Situation des Trägers an.

– Wer eine Infektion nicht ausschließen kann, und das sind alle Menschen, die nicht nachweisbar eine Infektion hatten und wieder geheilt sind, dem ist das Tragen einer OP-Maske (Mund-Nase-Maske) dringend angeraten. So minimiert der Träger das Infektionsrisiko für sein Umfeld beträchtlich.

– Geschneiderte Masken reichen an die Filterwirkung einer OP-Maske nicht heran, da sie unter anderem aus groberem Stoff bestehen. Bei einer feuchten Aussprache oder einem akuten Hustenanfall bieten aber auch sie eine gewisse Barriere, die das Gröbste abfängt. In jedem Fall ist ihr Tragen besser als gar keine Maske.

– FFP2/3-Masken filtern beim Einatmen fast alle Partikel und Viren aus der Atemluft. Sie schützen den Träger und sind ideal und vorrangig für den beruflichen Einsatz in einem Umfeld mit infektiösen Stoffen, beispielsweise im Krankenhaus. Auch Menschen aus Hochrisikogruppen können zum Eigenschutz FFP2-Masken tragen. Beim Ausatmen entweicht jedoch ein Großteil der Luft zur Seite. Ist der Träger selbst infiziert, so verbreitet er trotzdem ungehindert seine Viren.

Weshalb sind Mund-Nase-Masken empfehlenswert, obwohl sie Viren durchlassen?

Es geht um mehr als das Abfangen der Tröpfchen in der Atemluft. Masken bilden eine mechanische Barriere. Wer eine Maske trägt, kann sich keine Viren, die er vorher von Türgriffen oder Bargeld, Aufzugknöpfen oder Treppengeländern auf seine Hände aufgenommen hat, ins Gesicht reiben. Statt dessen landen sie auf dem Stück Stoff.

Eine Maske ist auch eine psychologische Barriere. Die ungewohnte Maske unterbricht unbewusste Bewegungen und der Träger fasst sich nicht so häufig ins Gesicht. Er hält mehr Abstand zu anderen ein. Eine Maske signalisiert anderen Menschen, dass sie Abstand halten sollen und macht den Ernst der allgemeinen Situation bewusster.

Wann sollten Privatpersonen sinnvollerweise Masken tragen?

Nicht sinnvoll ist es, wenn man sich in den eigenen vier Wänden aufhält, es sei denn, es lebt eine Person mit erhöhtem Infektions- und Erkrankungsrisiko im Haushalt. Auch bei einem Aufenthalt im Freien mit genügend Abstand zu anderen Menschen braucht man keine Maske oder kann sie zwischenzeitlich abnehmen.

Wer in einem Mehrparteien-Mietshaus lebt, ist einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Er sollte vor dem Verlassen der Wohnung eine Maske anlegen. Treppenhäuser und Aufzüge bieten reichlich Flächen, auf denen Viren länger überleben können. Aufzugknöpfe kann man zum Beispiel mithilfe eines Schlüssels oder durch den Jackenärmel bedienen. Das hilft der Person selbst, weil sie sich so keine Viren „einfängt“, aber ebenso allen anderen, weil man im Falle einer Infektion nichts verbreitet. Bei der Rückkehr nach Hause sollte man sich nach dem Ablegen der Maske zuallererst gründlich die Hände waschen, weil trotzdem Viren an der Maske sein können. Wer unterwegs die Maske abnehmen muss, sollte sich zuerst die Finger mit Handdesinfektionsmittel säubern und dann erst die Maske unter das Kinn schieben.

Wie klappt das mit dem Atmen unter einer Maske am besten?

Am besten ist es, ganz ruhig und gleichmäßig durch die Nase ein- und auszuatmen. Wird durch den Mund ausgeatmet, dann beschlagen möglicherweise Brillen.

Wie häufig sollte eine Maske gewechselt werden?

Mundschutz sollte ein- bis zweimal täglich gewechselt werden. So reduziert sich das Risiko, dass daran aufgetragene Viren unbeabsichtigt weitergegeben werden, beispielsweise von der Maske wieder auf die Finger und so an Türgriffe etc. gelangen.

Wie entsorge ich eine getragene Maske korrekt?

Eine OP-Maske besteht aus natürlichen Materialien (Zellstoff, Metalldraht, Gummibänder). Getragene Masken sind über den normalen Hausmüll zu entsorgen. Selbstgenähte Masken aus Baumwollstoff können mehrfach verwendet werden, wenn sie bei 60 Grad gewaschen werden. Allerdings kann sich bei wiederholtem Waschen die Durchlässigkeit erhöhen.

Sind Schutzmasken nicht schädlich fürs Klima?

Aufgrund der natürlichen Materialien entstehen bei der Herstellung keine schädlichen Emissionen. Für die CO2 -Bilanz liegt der Unterschied vor allem beim Transport. Normalerweise werden Masken in Containern per Schiff transportiert, da ist die Umweltbelastung durch eine einzelne Maske zu vernachlässigen. Werden sie jetzt per Flugzeug aus China um die Welt geflogen, ist die Umweltbelastung natürlich höher. Aber auch hier fliegt ja kein Flugzeug nur mit einer handvoll Masken, sodass die medizinischen Vorteile in der aktuellen Risikosituation die Auswirkungen auf die Umwelt bei weitem überwiegen.

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Prof. Dr. Ingo Drexler Vice Director of the Institute of Virology at University Hospital Düsseldorf, speaks to MaskRadar:

Who should wear face masks?

Anyone who comes into contact with people outside their own household. When in public, everyone should behave as if they are infected and could infect other people, therefore advisable to wear a face mask. This ensures more protection for everyone and is also the socially correct thing to do.

There are three different types of masks available: particle-filtering masks; surgical masks; and homemade masks. Which type would you recommend and for whom?

– People who cannot rule out being infected, which includes all people who cannot prove they have been infected and recovered, should wear a surgical mask (one that covers the mouth and nose). By doing so, you minimise the infection risk in your surroundings.

– Homemade masks do not have the same filter effect as surgical masks since they are usually made of a porous material. However, homemade masks do serve as some kind of barrier and will capture the worst of moisture droplets ejected from speaking or acute coughing. Wearing a homemade mask is definitely better than not wearing a mask at all.

– FFP2/3 masks filter nearly all particles and viruses out of the air when you inhale. They protect the wearer and are ideal for and should primarily be used by those working in an infectious environment such as hospitals. People classified within high-risk groups can also wear FFP2 masks to protect themselves. When you exhale into these masks, however, a large amount of air escapes around the side. If the wearer is already infected, this will contribute to an unhindered spreading of the virus.

Why are face masks recommended even though they let viruses through?

There is more to it than just curbing the spread of droplets by breathing. Face masks create a mechanical barrier. If you’re wearing a face mask, you can’t transfer viruses that you picked up from touching door handles, cash, lift buttons or handrails from your hands to your face. Instead, they end up on a piece of cloth.

A mask also serves as a psychological barrier, which interrupts unconscious movements, meaning wearers may not touch their face as often and can keep their distance from other people more easily. A mask also serves as a signal to other people that they should keep their distance from you and emphasises the serious nature of the overall situation.

When does it make sense for members of the public to wear masks?

It doesn’t make sense if you are at home unless there is someone in your home with a heightened risk of infection or disease. Equally, when you are outside with sufficient distance from other people, you do not need a mask, or you can take it off temporarily.

People who live in a rented building with communal areas are at increased risk of exposure and should put on a mask before leaving their apartment. Staircases and lifts have lots of surfaces where viruses can survive for a long time. You can press the lift button with a key or your jacket sleeve. That will help you not to pick up viruses but also helps everyone else because you won’t be spreading the infection. After getting home and taking off your mask, you should wash your hands thoroughly because there may be viruses on the mask. If you need to take your mask off while you are out and about, you should first clean your fingers with hand sanitizer, then push the mask under your chin.

If you’re wearing a mask, how is it best to breathe?

Calmly and steadily. You should also breathe in and out through your nose. If you breathe out through your mouth, your glasses may fog.

How frequently should a mask be changed?

Face masks should be changed once or twice a day. This reduces the risk that any viruses on the masks are accidentally spread, for example from the mask onto your fingers and then onto door handles, etc.

How should I correctly dispose of a mask I have worn?

A surgical mask is made of natural materials (pulp, metal wire, rubber). Masks that have been worn can be disposed of with normal household waste. Homemade cotton masks can be reused if they are washed at 60C. However, repeated washing can increase the permeability of the mask.

Are face masks damaging to the environment?

Because the masks are made of natural materials, there are no damaging emissions during manufacture. The main carbon emissions occur during transport. Masks are normally transported on container ships, making the environmental impact of a single mask negligible. If masks are now flown from China to other countries around the world, the environmental impact will of course be higher. However, planes are not flying with just a handful of masks and, as such, the medical advantages in the current risk situation far outweigh the environmental impact.

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Das Interview führte Anja Kühner im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für MaskRadar telefonisch.

Vielen Dank an Thandi Allen und Birgit Piegeler von Evident Language für die kostenlose Übersetzung des Interviews ins Englische.

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